Rundgang: Kirchenraum

 

Die Eingangstüren der Kirche greifen das Motiv der Altarrückwand auf. Wenn Sie die Kirche tagsüber besuchen möchten, können sie den Seiteneingang auf der Seite des Pfarrhauses nutzen. Wir laden Sie ein, in diesem Raum zu verweilen und die einzelnen Orte im Raum zu betrachten.

Im Sinne des Künstlers Helmut Lutz ist zu betonen, dass jeder Betrachter von Kunstwerken seine eigene Lebensgeschichte mit in die Interpretation desselben einbringen kann und soll. Insofern wollen alle aufgeführten Gedanken nur als Hilfe zum Verstehen gesehen werden, nicht etwa als einzig mögliche Interpretation.

 

Auch auf dem Weihwasserbecken im Bereich des Haupteingangs finden Sie das Symbol der Muschel, der Pilgerschaft wieder, denn der sonntägliche Gottesdienst sollte "jedesmal wie ein Rasten in der Herberge nach dem anstrengenden Weg durch die Woche der Arbeit empfunden werden." [Pfarrer Hoch bei der Kirchweihe]. Am Seiteneingang verbindet das Kreuz die "Zahnräder der Arbeit" mit der Begegnung untereinander und mit Gott.

Geweihtes Wasser  zu nehmen, sich zu bekreuzigen und sich in diesem Tun vergegenwärtigen, dass Sie sich aus dem Alltag heraus in einen Raum Gottes hinein bewegen, erinnert an zahlreiche Waschriten. Vor dem Essen sich Hände (oder wie zur Zeit Jesu auch die Füße) zu waschen dient mehr als nur der Reinigung.

Als Christen erinnert uns das geweihte Wasser an die eigene Taufe, durch die wir mit Christus verbunden sind.

 

Der Tabernakel ist eingebettet in die großartige Darstellung des Lebensbaumes von Helmut Lutz. Sie zeigt den Weltenbaum und Lebensbaum, die heilige Mitte, die Achse der Welt, die Himmelsleiter. Stamm und Äste treffen im Tabernakel aufeinander und bilden ein großes, offenes Kreuz, das Himmel und Erde, Gott und Menschen verbindet.

Die 12 tragenden Äste des Lebensbaumes mit ihrem reichen, filigranen Blattwerk und ihrem Fruchtüberfluss nehmen bezug auf die Schriftstelle: "Das Holz des Lebens, das 12mal Früchte trägt, Monat für Monat gibt es seine Frucht ab. Und die Blätter des Holzes sind zur Heilung der Völker." [Offb 22,1f]

Über 12 Jahre wurde an der Ausgestaltung gearbeitet - 1988 war das Werk vollendet.

 

Zwischen den Früchten sind menschliche Gestalten hineinkomponiert. Sie deuten unsere Geschichte als Heilsgeschichte und setzen sie in Beziehung zu Christus.

Hier ein Detail aus dem dritten Ast: Blinde, Lahme, verwundete Menschen suchen bei Jesus Heilung ihrer Verletzungen und Beeinträchtigungen.

 

Das Kreuz im Chorraum der Kirche: Der Corpus stammt aus dem 17. Jahrhundert; das Bronzekreuz wurde von Bildhauer Lutz im Jahr 1979 geschaffen.

Das Kreuz ist mit seinen Dornenranken gleichzeitig fest im Boden verwurzelt. Seine Wurzeln finden sich auf den Stufen des Chorraumes.

 

Der Altar, aus rotem Sandstein von Bildhauer Lutz geschaffen, steht auf den "Früchten der Erde und der menschlichen Arbeit" [Liturgie].

Roter Sandstein enthält seine Farbe aus demselben Stoff, der auch das menschliche Blut rot färbt: Eisenelemente. Somit ist der Altar nicht einfach ein Tisch aus Stein. Er verbindet Menschliches mit Göttlichem.

 

Drei Rondelle von Theodor Zeller gestalten die Chorrückwand. Ihre Themantik ist nach den Worten Zellers "das Lamm, das Zentralgeheimnis des Universums". Im linken Rondell Johannes der Täufer, rechts der "Seher von Patmos", der Apostel Johannes und in der Mitte, der endzeitliche Christus, "das Lamm Gottes" mit der mit sieben Siegeln verschlossenen Schriftrolle.

Eingebettet sind die Rondelle in die Darstellungen der vier Evangelisten an den Betonsäulen über den aufgeschlagenen Büchern: Der Mensch oder Engel (Matthäus), der Löwe (Markus), der Stier (Lukas) und der Adler (Johannes) wurden von Lutz geschaffen.

 

Der Memento-Erinnerungsstein wurde im Jahr 2006 errichtet. Er befindet sich am Ende des Kreuzweges. Hier wurde ein Ort der Erinnerung und der Trauer an unsere Verstorbenen im Kirchenraum geschaffen.

Angehörige von Verstorbenen können in der Ablage um den Stein ein Erinnerungsbild, einen Text oder auch Gegenstände für die Dauer von einem Jahr ablegen. Nach Ablauf dieses "Trauerjahres" werden die abgelegten Erinnerungsstücke in ein Buch eingeordnet.

Die vier Kerzen auf den Engelsflügeln um den Stein können von BesucherInnen jederzeit entzündet werden, um so ihrer Trauer, Anteilnahme oder Erinnerung Ausdruck zu verleihen.

 

Der heilige Severin, eine Sandsteinplatte mit den Initialen D.H., der Jahreszahl 1771 und der Darstellung eines Unterschenkels stammt aus der Severinskapelle auf dem Mauracher Berg (etwa 1497 vollendet) und wurde beim Bau der Jakobuskirche am Ende der Kreuzweges angebracht.

Ein frommer Pilger hat diese Platte offenbar als Dank für die Heilung von einem Beinleiden anfertigen lassen.

 
Über dem Hauptportal hat Zeller ein Schlüsselbild für sein Denken und Fühlen gemalt: Den endzeitlichen "Kampf um die Liebe (Gott)". Die expressive Gestaltungskraft eines 86-jährigen Malers kommt dem Betrachter beim Verlassen des Gotteshauses entgegen und möchte diesen auf die Wiederkunft Christi hinweisen. Die sich zunächst vielleicht einstellende innere Abwehr des Betrachters wird schließlich durch die Erkenntnis zurückgedrängt, dass die Rohheit der Farbe und Form in Wahrheit die große Kraft ist, aus der heraus erst dies Wandbild lebt.
 
Auf seine typisch humorvolle Weise hat Zeller die beiden damaligen Ortsgeistlichen portraitiert: links den evangelischen Pfarrer Jung, rechts Pfarrer Fricker.
 

Zellers "Abendmahl" in der Werktagskapelle zeigt keine feierliche Festversammlung, wie wir es von Malern des Nazarenerstils kennen. Dieses Bild stand im Zentrum der Kritik und löste in der Gemeinde zahlreiche Diskussionen aus. Er liebte es, den Menschen den Spiegel der Selbsterkenntnis hinzuhalten: Die Apostel sind Menschen aus allen Schichten. Man findet Menschen schlafend, träumend, teilnahmslos, Gläubige, Zaudernde, Staunende, Streitende. Auch Mitläufer, die ihr wahres Gesicht verbergen, finden sich im Hintergrund.

Die Eucharistie war für Zeller die Quelle, aus der er schöpfte. Daraus erklärt sich die Kraft seiner Bilder aber auch ihre Polarisierung: "Wisst ihr denn, was es heißt, Gott zu fressen?", so fragte er provozierend seine Mitchristen.